Die eiserne Hand tötet: Sieben Stimmen zu einem Mord im Zeitalter der Reformation
Ein Mord in der Morgendämmerung. Eine eiserne Hand. Sieben Zeugen. Und die Wahrheit, die sich hinter jeder Aussage noch tiefer verbirgt. Es ist das Jahr der Reformation, und auf Burg Hornberg liegt ein kaiserlicher Gesandter tot im gefrorenen Pflasterhof. Lorenz Hüfner, Abgesandter des Kaisers in die fränkischen Lande, ist erwürgt worden – von einer eisernen Hand, deren Druckspuren sich tief in sein Fleisch gegraben haben. Als Erster findet ihn der Chronist Weckmann, ein stiller, gewissenhafter Mann, dessen Kehle ihn im Stich lässt, dessen Griffel aber unerbittlich weiterschreibt. Hartmann Röttger erzählt diesen historischen Kriminalfall in einer ebenso ungewöhnlichen wie fesselnden Form: Sieben Stimmen kommen zu Wort – sieben Personen aus dem Umfeld des Toten, jede mit ihrer eigenen Sicht, ihren eigenen Vertuschungen, ihren eigenen Ängsten. Die Köchin Margarethe, die zu schnell antwortet. Der Stallknecht Spindler, der nicht erschrickt, obwohl er sollte. Und andere, die mehr wissen, als sie preisgeben wollen. Jede Stimme fügt dem Bild einen neuen, verstörenden Riss hinzu. Was Röttger dabei gelingt, ist bemerkenswert: Die dichte, atmosphärische Sprache versetzt den Leser unmittelbar in die Kälte eines frühneuzeitlichen Burgmorgens. Die historische Kulisse der Reformationszeit ist nicht bloße Dekoration, sondern trägt das Geschehen – mit all ihren religiösen Spannungen, Machtgefügen und menschlichen Abgründen. Wer einen Kriminalroman sucht, der klug konstruiert, literarisch anspruchsvoll und historisch lebendig ist, findet hier eine lohnende Lektüre.
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