Was ich von Fröbel lernte und lehrte: Versuch einer kulturgeschichtlichen Begründung der Fröbelschen Erziehungslehre
Henriette Goldschmidt, eine der bedeutendsten Gestalten der deutschen Frauenbewegung und Mitbegründerin der modernen Kindergartenpädagogik, legt mit diesem Werk eine tief durchdachte und kulturgeschichtlich weit ausgreifende Auslegung der Fröbelschen Erziehungslehre vor. Als Mitbegründerin der deutschen Frauenhochschule zu Leipzig und leidenschaftliche Kämpferin für die Bildung der Frau verbindet sie pädagogische Erfahrung, philosophische Reflexion und gesellschaftliche Vision zu einem einzigartigen Ganzen. In klarer, eindringlicher Sprache zeigt Goldschmidt, wie Spiel, Fantasie, Sprache, Märchen, Fabel und religiöse Eindrücke die geistige und sittliche Entwicklung des Kindes formen. Die Spielgaben und Beschäftigungen des Kindergartens erscheinen nicht als mechanische Übungen, sondern als Spiegel der menschlichen Kulturentwicklung: vom einfachen Würfel über geometrische Formen, Ornament und Rhythmus bis hin zu den ersten Einsichten in Gesetzmäßigkeit, Schönheit und Ordnung. Jede Tätigkeit des Kindes wird als Ausdruck eines schöpferischen Triebes verstanden, der sich aus der Natur des Menschen selbst heraus entfaltet. Besonders eindrucksvoll ist Goldschmidts Darstellung des Fragegeistes, der Sprache und des Denkens: Das Kind beginnt zu denken, indem es fragt, und es fragt, weil es denkt. Ebenso tief ist ihre Verteidigung des Märchens und der Fabel als seelische Nahrung, die Fantasie und moralisches Empfinden stärkt, ohne den kindlichen Geist zu überfordern. Die religiöse Erziehung schließlich wird nicht als Dogmatik, sondern als Pflege eines ursprünglichen, in Ahnungen keimenden Empfindens beschrieben, das durch Bilder, Geschichten und familiäre Atmosphäre genährt wird. Das Buch ist ein Schlüsseltext der frühen Kindergartenpädagogik und zugleich ein kulturphilosophisches Dokument von großer Weite. Es zeigt, wie Fröbels Idee der 'Menschenerziehung' im Spiel des Kindes lebendig wird und wie die Frau (als Mutter, Erzieherin und Kulturträgerin) zur Gestalterin einer humaneren Zukunft werden kann. Goldschmidt entwirft das Bild einer Erziehung, die nicht die Vergangenheit reproduziert, sondern die Zukunft vorbereitet: das Kind als Keim des Kommenden, die Frau als Hebekraft einer neuen Menschlichkeit. Ein Werk von bleibender Aktualität für Pädagogen, Historiker, Erziehungswissenschaftler und alle, die Fröbels Gedanken verstehen und weitertragen wollen.
Contact the merchant to order: